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NEU · DAS GEHEIMNIS VON RAUK

Die Schwerkraft der leisen Dinge

Ein illustrierter Fantasy-Roman

Rauks Häuser sind leicht, doch ihr Gewicht verschwindet nicht. Als Ilva den Nachlass ihrer Mutter ordnet, führen eine falsche Waage und ein verletztes Wurzelwesen sie auf die Spur ihres verschwundenen Bruders.

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In Rauk verschwindet kein Gewicht. Es wechselt den Ort.Digitale Ausgabe · kein gedrucktes Buch

122 gestaltete PDF-Seiten28 KapitelCa. 2–3 Stunden LesezeitDeutsch · PDF & EPUB

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01 / DIE GESCHICHTE

Wer trägt die Last, die oben niemand spürt?

✧

In Rauk verschwindet kein Gewicht. Es wechselt den Ort.

Ilva will nur die Werkstatt ihrer Mutter verkaufen und Rauk wieder verlassen. Doch ein Stein wiegt im Regen plötzlich weniger, und unter den Dielen regt sich ein Netz aus mineralischen Fäden.

Die Schluchtstadt vertraut dem Tragglas, das ihre Häuser und Brücken entlastet. Ilva weiss als Lastprüferin, dass Gewicht nicht einfach verschwinden kann. In den Messheften ihrer Mutter findet sie Zahlen, die niemand öffentlich erklärt hat.

Mit dem Seilmacher Bero, der aufmerksamen Neri und einem dreibeinigen Sohlentier folgt sie den Verbindungen unter die Stadt. Dort stösst sie auf eine Spur ihres seit zweiundzwanzig Jahren verschwundenen Bruders Tamo.

Der erste harte Frost rückt näher. Um Rauk zu schützen, muss Ilva eine Lösung finden, die auch jene berücksichtigt, die bisher niemand gefragt hat. Ein eigenständiger Roman über Verantwortung, Fürsorge und den Mut, eine bequeme Wahrheit zu hinterfragen.

Geheimnisvolle SchluchtstadtUngewöhnliche WesenVerantwortung & Hoffnung
02 / EIN BLICK AUF DEN WEG

28 Kapitel
Eine ganze Welt

Öffne die Kapitel für einen kurzen Ausblick.
Der vollständige Text bleibt dem Buch vorbehalten.

Kapitelübersicht öffnen28 Einblicke
01

Die falsche Waage

Ein Stein verändert sein Gewicht. Ilvas Rückkehr nach Rauk beginnt mit einer Messung, die nicht stimmen dürfte.

02

Drei Füsse

Unter dem Herd wartet ein verletztes Wesen mit einer hölzernen Spiralschale. Ilva entdeckt eine erste Verbindung.

03

Das Haus am Seil

Ein vorsichtiger Versuch in Beros Werkstatt zeigt, wie wenig Spielraum dem Lastkreislauf geblieben ist.

04

Ein Name im Regen

Im Waaghaus begegnet Ilva einem Mädchen, das genauer hinsieht als die Erwachsenen.

05

Die Rechnung der Gilde

Die Vorsteherin der Gilde erklärt, warum die Stadt ihrer Technik vertraut. Ilva beginnt nachzurechnen.

06

Die ungerade Brücke

Eine fast unmerkliche Neigung verändert den Blick auf eine vertraute Brücke.

07

Ein Garten ohne Himmel

Unter der Stadt wächst ein Garten, den keine öffentliche Karte verzeichnet.

08

Die siebzehnte Unterschrift

Vor einer verschlossenen Tür wird aus einer Zahl eine Frage nach Verantwortung.

09

Unter der Krankenstation

Eine Treppe führt tiefer als erwartet. Auch die Krankenstation ist mit dem Kreislauf verbunden.

10

Der Mann im Wurzelsaal

Im Wurzelsaal wartet eine Begegnung, auf die keine Messung Ilva vorbereiten konnte.

11

Was ein Nein wiegt

Für die nächsten Schritte braucht es mehr als eine technisch richtige Antwort.

12

Das Blatt der Mutter

Ein Blatt aus dem Nachlass der Mutter verändert, was Ilva von ihr zu wissen glaubte.

13

Eine Wahrheit auf dem Markt

Auf dem Markt werden Beobachtungen öffentlich. Die Bewohner hören einander nicht alle mit denselben Erwartungen zu.

14

Der Salzgrund

Ein scheinbar einfacher Ausweg muss einer sorgfältigen Prüfung standhalten.

15

Drei tragfähige Orte

Drei mögliche Orte, mehrere verworfene Pläne und eine Nacht gemeinsamer Arbeit.

16

Die leichten Häuser

Die Vorbereitung beginnt an Haustüren, hinter denen ganze Leben warten.

17

Die Hand der Vorsteherin

Deren bringt eine Holzkassette in die Werkstatt. Nicht jede Rechnung steht in einem Messheft.

18

Der fehlende Schlag

Ein unabhängiger Rahmen soll zeigen, ob ein neuer Weg tragfähig ist.

19

Die Nacht vor dem Frost

Noch bleiben Stunden bis zum Frost. In Rauk bereiten sich die Menschen auf einen schwierigen Versuch vor.

20

Was zurückbleibt

Eine Werkstatt muss geräumt werden. Manche Gegenstände lassen sich schwerer forttragen als andere.

21

Das offene Protokoll

An einem öffentlichen Ablaufplan ist ausdrücklich Platz für Korrekturen.

22

Der erste Kreis

Im Kalkbruch werden die Lampen angezündet. Jetzt müssen viele Handgriffe zusammenpassen.

23

Eine Brücke weniger

Eine Anzeige steigt, wo sie ruhig bleiben sollte. Ilva muss den Plan erneut an der Wirklichkeit prüfen.

24

Der dritte Atemzug

Unter dem Glockenturm liegt ein vorbereitetes Bett. Der nächste Schritt verlangt Geduld und Genauigkeit.

25

Die Last in den Händen

Im Wurzelsaal wird aus einer gemeinsamen Entscheidung eine sehr konkrete Aufgabe.

26

Ein Himmel ohne Versprechen

Eine Treppe, eine Pause und die Frage, was verlässliche Hilfe im nächsten Augenblick bedeutet.

27

Der Preis der Namen

Drei Wochen später werden im überdachten Hof die ersten öffentlichen Fragen gestellt.

28

Die kleinen Gewichte

Neun Monate später steht eine neue Waage im Freien. Im Alltag zeigt sich, was sich verändert hat.

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Kapitel 1 · Originaltext auf Deutsch

Die falsche Waage

Der Stein wog einhundertachtundvierzig Gramm. Ilva nahm ihn von der Waage, strich mit seiner Unterseite über die regennasse Tischplatte und legte ihn wieder hin. Zweiundneunzig.

Der Mann am Schlagbaum tat, als hätte er es nicht bemerkt, und sortierte ihre Ausweise, obwohl es nur zwei Blätter waren: die Reiseerlaubnis und der Brief des Nachlassamtes. Hinter ihm hing eine Tafel mit den zulässigen Lasten für die obere Brücke. Jemand hatte die Zahl für Handkarren überstrichen und darunter eine kleinere geschrieben.

«Die Waage steht schief», sagte er.

Ilva sah auf die Libelle, deren Luftblase genau zwischen den beiden Strichen sass.

«Das tut sie nicht.»

Er reichte ihr die Papiere. «Dann der Tisch.»

Sie hätte ihm erklären können, dass eine Balkenwaage davon unbeeindruckt blieb. Stattdessen hob sie ihr Gepäck auf. Seit einundzwanzig Jahren verdiente sie ihr Geld damit, anderen Leuten zu sagen, wenn etwas nicht hielt. Zu Hause hatte sie damit früh aufgehört.

Rauk lag unter ihr, in die beiden Flanken einer Schlucht gebaut, mit hellen Häusern vor dunklen Felswänden und Brücken wie losen Stichen in einem schlecht verheilten Schnitt. Das grosse natürliche Basalttor war durch den Regen kaum zu erkennen. Von irgendwoher kam das Hämmern eines Kupferschmieds: fünf Schläge, eine Pause, wieder fünf. Das Geräusch war dasselbe geblieben, doch Ilva wusste nicht, ob sie das tröstlich fand.

Sie war am Montagvormittag angekommen und wollte am Donnerstag die Nachlasspapiere ihrer Mutter unterschrieben haben. Am Freitag würde die Passstrasse vielleicht schon schliessen, denn in den Wetterstationen oberhalb des Kessels hatte man den ersten harten Frost angekündigt.

Auf der Brücke blieb sie unwillkürlich stehen, weil die Bohlen unter ihren Sohlen zu wenig nachgaben. Einhundertzwanzig Schritte hatte diese Brücke früher gehabt, wenn sie mit ihrer Mutter zum Waaghaus gegangen war; mit Tamo waren es achtzig gewesen, weil er über jede zweite Fuge sprang. Sie zwang sich, nicht zu zählen.

Ein Kind schob einen Kohlenkarren an ihr vorbei, dessen Rad halb auf der untersten Querlatte stand. Ilva griff nach dem Rand des Karrens, zog ihn zur Mitte und spürte fast keinen Widerstand.

«Danke», sagte das Kind. «Er ist heute besonders leicht.»

Unter der westlichen Verankerung lag ein Stück blauschwarzes Tragglas, über dessen Rillen Regenwasser rann. Von dort führten dünne mineralische Fäden in den Fels, milchig und glänzend wie Wurzeln, denen man die Erde genommen hatte. Ilva kannte Tragglas aus Lehrbüchern und kleinen Anlagen: Es entlastete ein Fundament, indem es die Last an einen anderen Ort weitergab. Rauk lebte seit Jahrzehnten davon. Ein geschlossener Kreislauf, sagten die Schilder am Gildehaus.

Der Kohlenkarren rollte so leise weiter, dass sie die Frau hinter sich erst hörte, als diese ihren Namen aussprach.

«Du hast Ennas Strähne.»

Die Bäckerin war kleiner geworden, oder Ilva hatte sie grösser in Erinnerung behalten.

«Sie ist erst vor zwei Jahren weiss geworden.» Ilva strich über die helle Strähne an ihrer rechten Schläfe.

«Dann hat sie lange gebraucht.»

Die Bäckerin sagte nichts über die Beerdigung, zu der Ilva damals nicht gekommen war. Der Brief war erst nach einer Reise durch drei Bezirksämter bei ihr eingetroffen; das erklärte die Verspätung, aber nicht die Erleichterung, die sie beim Lesen empfunden hatte. Für diese Erleichterung schämte sie sich mehr als für alles andere.

Die Frau drückte ihr ein noch warmes Brot in die Hand.

«Deine Mutter hat bis zuletzt den Ofen zu heiss gemacht. Wenn es wieder aus dem Ofen raucht, lass ihn prüfen.»

Das war eine Güte, die Ilva annehmen konnte. Sie bezahlte das Brot. Die Bäckerin nahm das Geld ebenfalls aus Güte.

An der Werkstatt auf der dritten Terrasse waren zwei Fenster mit Brettern vernagelt. Im Türrahmen steckte noch der schmale Messingstreifen, an dem Enna die Grösse ihrer Kinder markiert hatte. Die oberste Kerbe gehörte Tamo, der sich damals auf Zehenspitzen gestellt hatte. Die Mutter hatte den Betrug feierlich amtlich gemacht.

Ilva schloss auf.

Es roch nach erkalteter Asche, Leim und dem Öl, mit dem ihre Mutter die Werkzeuge eingerieben hatte. Auf der Werkbank lag ein Paar Handschuhe, die Daumen nach innen geklappt. Bei diesem Anblick zog sich Ilva die Kehle zu, was am Grab ihrer Mutter, das sie auf dem Weg hierher besucht hatte, nicht geschehen war. Tote liessen Dinge so liegen, als würden sie gleich zurückkommen.

Sie öffnete die Fensterläden, und das Licht fiel auf Schubladen, Holzspäne und eine Schüssel mit drei vertrockneten Birnen. Auf der Schüssel lag ein versiegelter Umschlag.

Der Umschlag war nicht an sie adressiert, sondern trug nur einen Satz in der eckigen Schrift ihrer Mutter:

Prüfe zuerst das Gewicht. Dann die Erklärung.

Ilva legte den Umschlag zurück.

Sie wollte die Werkstatt verkaufen, den Dachschaden begutachten, die offenen Rechnungen bezahlen und wieder fahren. Es wäre vernünftig gewesen, mit der Liste des Nachlassamtes anzufangen.

Stattdessen holte sie ihre Reisewaage aus dem Koffer.

Der mitgebrachte Stein wog trocken einhundertachtundvierzig Gramm. Ilva glich das Gewicht einer mit Regenwasser gefüllten Untertasse auf der Waage aus, dann legte sie den Stein hinein. Sie brauchte nur zweiundneunzig Gramm, um den Balken wieder auszugleichen.

Unter der Wand knirschte etwas.

Ilva hob den Kopf. Zwischen Sockelleiste und Boden quoll ein feuchter weisser Faden hervor und berührte die Untertasse.

Im selben Augenblick bekam sie das Gefühl, dass unter ihren Füssen jemand eine sehr grosse Last zurechtrückte.

Abgeschlossene Handlung · eigenständig lesbar · keine Fortsetzung nötig

03 / DEINE DIGITALE AUSGABE

Für deinen
stillen Lesemoment

Die Bildwelt Litholumen verbindet plastisches Holz, leuchtenden Bernstein und kühlen Basalt mit der Tiefe einer verwinkelten Schluchtstadt. Gerahmte, ganzseitige Szenen begleiten die Handlung; eine farbige Wurzelwaage eröffnet die Ausgabe.

Umfang
122 PDF-Seiten inklusive Cover und Titelei · rund 20’300 Wörter
Formate
PDF und EPUB, beide im Preis enthalten
Sprache
Deutsch, Schweizer Schreibweise
Ausgabe
Digitale Ausgabe · November 2026
PDF

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